IndustrieprojekteNahe an der Praxis

Ein Industrieprojekt ist eine Lehr- bzw. Lernform, bei der technische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse aus dem klassischen Unterricht in realen Aufgabenstellungen aus der Praxis angewendet werden können. Die Abfolge des Industrieprojekts orientiert sich an der Wertschöpfungskette von industriell gefertigten Produkten oder Dienstleistungen.

Im Rahmen der Industrieprojekte arbeiten die Studierenden über fünf Semester intensiv mit Unternehmen aus dem industriellen Sektor zusammen. Die Studierenden entwickeln in Kleingruppen Lösungsansätze und Entscheidungsgrundlagen von der Potenzialfindung über die Produktkonzeption, den technischen Entwurf, den Bau und das Testen von Prototypen bis zur Planung und Vorbereitung der Serienfertigung.

Dabei werden sie von Dozierenden unterstützt, unterschiedliche theoretische Ansätze anzuwenden. Das Ziel der Unterstützung liegt nicht primär in der Vermeidung von Fehlern. Die Studierenden werden vielmehr ermutigt, Neues auszuprobieren. Das Scheitern und die damit verbundene Fehlerkultur gehören zum Konzept der Industrieprojekte. Durch laufende Erkenntnisse und Erfahrungen erlangen die Studierenden letztendlich die gewünschte Berufsbefähigung.

Die Studierenden recherchieren Markt, Umfeld und Eigenleistungen des Industriepartners. Sie halten langfristige Chancen und Risiken fest und suchen nach konkreten neuen Geschäftsfeldern oder Produkten für die weitere Zukunft. Die zentrale Frage, die sich für dieses Semester stellt, lautet: Welche neuen Kundenbedürfnisse soll das Unternehmen in 5 bis 15 Jahren mit geeigneten Lösungen befriedigen?

Ausgehend vom Potenzial identifizieren die Studierenden eine Idee eines Produkts oder einer Dienstleistung, welche entwickelt werden soll. Dabei orientieren sie sich an Fragestellungen wie: Womit kann ein formuliertes Kundenbedürfnis durch das Unternehmen abgedeckt werden? Wie sehen mögliche Lösungen und Geschäftsmodelle aus?

Welche Faktoren beeinflussen die Produktentwicklung und wie müssen Entwicklung und Produkt dokumentiert sein? Aus einer konkreten aber noch ungenauen Produktidee erarbeiten die Studierenden eine Produktdefinition in Form eines technischen Entwurfs. Dieser wiederum bildet die Grundlage für den Go- bzw. No-Go-Entscheid zur Produktrealisierung.

Durch einen physischen Prototyp kann ein zu entwickelndes Produkt frühzeitig überprüft werden. Für die Prototyp-Entwicklung müssen verschiedene Faktoren wie Material, Fertigungs- und Montageverfahren geprüft werden. Die Prototyp-Herstellung muss dokumentiert werden. Auf der Grundlage der Entwürfe erstellen die Studierenden alle notwendigen Unterlagen für die Herstellung und den Test des Prototyps.

Wie wird ein Prototyp präsentiert? Wie kann er serientauglich weiterentwickelt werden? Anhand der angefertigten Herstellungsunterlagen wird der Prototyp nun fabriziert, montiert, getestet und angepasst. Es werden erste Optimierungen für die Serienfertigung vorgenommen und Kalkulationen zur Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt.

Die Industrieprojekte sind für die Partnerunternehmen kostenlos. Der zeitliche Aufwand ist stark von der Projektart abhängig. Von den Partnerunternehmen wird erwartet, dass sie ihre Unternehmung vor Ort vorstellen und während der gesamten Projektdauer für Fragen der Studierenden zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zu den Industrieprojekten finden Sie in der Broschüre «Denkerinnen und Macher der Zukunft» oder im Film.